Der Güterschuppen- ein historischer Überblick
Der große Lagerteil des ehemaligen Bahnhofs – der heute als „Güterschuppen“ bezeichnete Gebäudetrakt des Alter Bahnhof Frömern – ist ein eindrucksvolles Zeugnis der regionalen Eisenbahngeschichte und landwirtschaftlichen Infrastruktur. Bereits in der Bauzeit des Bahnhofs war dieses „Ladehaus“ unverzichtbar für den Umschlag der in der Umgebung erzeugten Produkte.
Funktion und wirtschaftlicher Kontext
Im Güterschuppen wurden sämtliche Güter zwischengelagert, die über den Schienenweg abtransportiert wurden. In der Frömerner Umgebung waren dies vor allem Steckrüben, Kohl und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der näheren Umgebung („aus dem direkten Umland“).
Ursprünglich bestand der Gebäudeteil aus einem einzigen großen Raum mit vielen Lagerregalen und einer Laderampe, die an ein Ladegleis mit direktem Gleisanschluss angeschlossen war.
Gemäß der Streckengeschichte war der Bahnhof Frömern Teil der Verbindung zwischen Fröndenberg/Ruhr und Unna, die 1899 eröffnet wurde. Der Güterverkehr nahm in der Region nach den 1950er Jahren spürbar ab, insbesondere der Stückgutverkehr endete am Bahnhof Frömern bereits zum 31. 12. 1975.
In der Folge der Rückläufigkeit des Güterverkehrs wurden die Gleise zum Ladebereich schrittweise zurückgebaut: Nach Einstellung des Stückgutverkehrs und mit der Stillegung des Bahnhofs am 28. Mai 1978 entfielen das Lade- und Ausweichgleis.
Speziell die Gleise zum Lagerraum wurden nach 1975 zurückgebaut, und im Jahr 1990 wurde der Bereich mit aufgefülltem Mutterboden zu einem Garten umgestaltet — heute befindet sich an dieser Stelle eine Terrasse.
Wandel der Nutzung und Sanierung
1989 wurde das Bahnhofsgelände durch die Deutsche Bahn an private Eigentümer veräußert – der Güterschuppen zunächst als private Wohnung umgestaltet. Dabei wurden Zwischenwände eingezogen und eine Kernsanierung durchgeführt.
Im Jahr 2010 übernahm die Familie Becker das Gebäude und baute den Güterschuppen zum heute bekannten Gewerbe und Atelierbereich um: Außen wurden einsturzgefährdete Vordächer auf Vorder- und Rückseite instandgesetzt, Teile des Fachwerks erneuert, historisch nachgeahmte Eichentore gefertigt, Terrassen aus Eschenholz errichtet und das Gebäude neu verschiefert. Innen erfolgte eine vollständige Kernsanierung mit neuen Backsteinwänden, einer Treppe aus historischem Eichenholz, vielen Zierelementen und einem Fußboden aus Eichendielen.
Im Oktober 2010 wurde die offizielle Eröffnung des Ateliers (Atelier Juvenile) mit knapp 1.000 Gästen gefeiert. Seither ist das Atelier überregional bekannt für besondere Schmuckstücke und Sonderanfertigungen.
Denkmalwert und heutige Bedeutung
Das Gebäude ist Teil der denkmalgeschützten Anlage des alten Bahnhofsgeländes – laut Historie wurde das gesamte Empfangsgebäude auf Initiative der damaligen Eigentümer dem Denkmalschutz unterstellt. Der Güterschuppen verbindet somit ein Stück industrieller Infrastruktur-Geschichte mit moderner Nutzung – er dokumentiert den Übergang vom Güterbahnhof zur kreativen Produktions- und Ausstellungsstätte.
