Das Stellwerk
Das Stellwerk bildete einst das betriebliche Herz des Bahnhofs Frömern. Es befand sich im mittleren Teil des Gebäudes und war der Ort, an dem der Bahnhofsvorsteher täglich über das sichere Funktionieren des Bahnverkehrs wachte. Von hier aus wurden die Weichen für das Abstell- und Ladegleis gestellt – eine verantwortungsvolle Aufgabe, die präzise Aufmerksamkeit erforderte. Durch die große Fensterfront konnte der Bahnhofsvorsteher den gesamten Gleisbereich überblicken und das Abfahrtssignal für jeden Zug per Hand geben.
Das Stellwerk war ursprünglich, ebenso wie das Haupthaus und der Güterschuppen, direkt durch innere Durchgänge mit den anderen Gebäudeteilen verbunden. Damit bildete der Bahnhof ein zusammenhängendes Funktionsensemble, in dem die Abläufe nahtlos ineinandergreifen konnten. Erst während der Modernisierungen durch die Familie Schürmann Ende der 1980er-Jahre wurden diese Durchgänge zugemauert und die Gebäude baulich voneinander getrennt.
Mit der Stilllegung des Bahnhofs im Jahr 1975 – und der Auflösung aller bahnbetrieblichen Einrichtungen – wurden auch das Lade- und Abstellgleis sowie sämtliche Stellwerksanlagen abgebaut. Damit verlor dieser zentrale Raum seine ursprüngliche Bestimmung.
Als die Familie Schürmann 1989 das Gebäude übernahm, wurde das ehemalige Stellwerk grundlegend umgebaut: Zwischenwände entstanden, und der Raum wurde zu einer kleinen Wohnung umgestaltet. Einige Jahre später nutzte eine Jugendwohngemeinschaft für schwer erziehbare Jugendliche die umgebauten Räume als Bürobereiche – ein deutlicher Kontrast zu ihrer früheren Funktion als Schaltzentrale des Bahnbetriebs.
Nach dem Erwerb des gesamten Bahnhofensembles durch die Familie Becker ab 2009 erlebte auch das Stellwerk eine Phase des Wandels. Zeitweise befand sich hier das Atelier Kunststück der Künstlerin und Designerin Janna Steimann, bevor sie später nach Westhemmerde umzog.
2014 folgte ein entscheidender Schritt in der Wiederbelebung dieses besonderen Gebäudeteils: Die Familie Becker ließ sämtliche Zwischenwände entfernen, sodass der Raum wieder seine ursprüngliche Großzügigkeit und klare Struktur erhielt. Das Stellwerk wurde zu einem inspirierenden Gewerbe- und Ausstellungsraum, der seinen historischen Charakter zurückgewann.
Der bedeutendste Wandel erfolgte schließlich im November 2023:
Das ehemalige Stellwerk wurde zur Museumswerkstatt des Atelier Juvenile, geleitet von Goldschmiedemeisterin Katrin Becker.
Hier werden heute nicht nur historische Goldschmiedewerkzeuge aus verschiedensten Epochen gezeigt – viele von ihnen werden nach wie vor aktiv genutzt. Die Museumswerkstatt bildet mittlerweile das neue Herzstück des Atelier-Ensembles: ein Ort, an dem traditionelle Handwerkskunst, historische Atmosphäre und lebendiges Schaffen zusammenkommen.
Für Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Trauring- und Goldschmiedekurse ist das Stellwerk ein besonders eindrucksvoller Ort: In dem Raum, in dem einst die Weichen der Bahn gestellt wurden, schmieden sie nun ihre eigenen Schmuckstücke – ein poetischer Wandel, der die Geschichte des Gebäudes auf moderne Weise weiterführt.
