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Die Vorgeschichte zur Realisierung der Nebenstrecke Fröndenberg-Frömern-Unna

Schon im späten 19. Jahrhundert wuchs der Wunsch nach einer besseren Anbindung der kleinen Orte zwischen Ruhrgebiet und Hellweg. Die großen Ost-West-Hauptstrecken – unter anderem Dortmund–Soest und Hagen–Warburg – waren bereits in Betrieb, doch eine direkte Verbindung dazwischen fehlte noch.

1882 schloss sich deshalb das „Comité für die Errichtung einer Sekundärbahn Fröndenberg–Lünen“ zusammen. Ziel war eine Nebenbahn, die von Fröndenberg über Unna und Kamen bis nach Lünen führen sollte und die Region wirtschaftlich stärken sollte.

In den folgenden Jahren wurden Pläne verfeinert, Trassen vermessen und Kosten kalkuliert. Die königliche Regierung in Arnsberg genehmigte 1886 die Vorarbeiten, später folgte das Einverständnis der Königlichen Eisenbahndirektion Elberfeld.

1891 gab die Eisenbahndirektion grünes Licht für den Abschnitt Fröndenberg–Kamen, für den Grunderwerb wurden für den Teil Fröndenberg–Unna rund 240.000 Mark veranschlagt – ein beachtlicher Betrag für eine Nebenbahn, aber ein klares Signal, wie wichtig man die Verbindung einstufte.

Am 15. Februar 1897 erfolgte schließlich der erste Spatenstich für den Bau der Strecke Fröndenberg–Unna. Nach knapp zweijähriger Bauzeit war der rund 12,5 Kilometer lange Abschnitt fertiggestellt.


1899 – 1978: Alltag, Erwartungen und Wandel

In den ersten Jahrzehnten nach der Eröffnung prägte der Bahnhof Frömern das Alltagsleben des Ortes: Pendler, Schulkinder, Landwirte und Händler nutzten die Züge, um zur Arbeit, zur Schule oder auf die Märkte zu gelangen. Über den Güterschuppen wurden vor allem landwirtschaftliche Produkte wie Steckrüben, Kohl und andere Erzeugnisse der Umgebung verladen und per Bahn abtransportiert.

Wirtschaftlich jedoch blieb die Nebenstrecke hinter den hohen Erwartungen zurück. Weder der Personenverkehr noch der Gütertransport brachten die erhofften Einnahmen. Die Strecke blieb trotzdem bestehen – nicht zuletzt aufgrund ihrer verkehrlichen und zeitweise auch militärischen Bedeutung als Querverbindung zwischen zwei Hauptbahnen.

Mit der Zeit wurden Bahnbetrieb und Organisation weiter zentralisiert:

  • 1. April 1955 – Der Bahnhof Frömern verliert seinen Status als eigenständige Dienststelle und wird dem Bahnhof Fröndenberg zugeordnet.

  • 1. Juni 1966 – Der Bahnhofsvorsteher entfällt, der Betrieb wird vereinfacht.

Am 28. Mai 1978 wurde das mechanische Stellwerk in Frömern außer Betrieb genommen. Kurz darauf wurden Ausweich- und Ladegleise abgebaut, der Bahnhof zum einfachen Haltepunkt herabgestuft und das Empfangsgebäude seiner bahnbetrieblichen Funktion entzogen.

Der Personenverkehr blieb jedoch bestehen – bis heute wird die Strecke als RB 54 befahren, wenn auch aktuell wegen Schäden am Bahndamm zeitweise gesperrt war.

1978 – 1989: Verfall eines Baudenkmals

Mit der Stilllegung des Bahnhofsgebäudes begann eine Phase des Verfalls. Fenster wurden zugenagelt, Schieferplatten beschädigt, Vandalismus hinterließ seine Spuren. Der einst repräsentative Bahnhof geriet zum ungeliebten Blickfang und galt lange als „Schandfleck“ im Ort.

Gerade dieser Zustand machte aber später deutlich, wie viel Engagement und Idealismus nötig sein würden, um das Gebäude vor dem endgültigen Verlust zu bewahren.

1989 – 2009: Rettung, Denkmalschutz und neue Nutzungen

1989 kaufte die Familie Schürmann das heruntergekommene Gebäude von der Deutschen Bahn. In den Jahren 1989 bis 1991 wurde das Haupthaus grundlegend saniert. Auf Initiative der neuen Eigentümer wurde der Bahnhof unter Denkmalschutz gestellt, sodass seine historische Bausubstanz in ihren wesentlichen Zügen erhalten blieb.

In dieser Zeit wurde das Gebäude vielseitig genutzt:

als Wohnraum, als psychologische Praxis, als Wohnheim für schwer erziehbare Jugendliche, sowie als Gipswerkstatt und Lagerbereich, unter anderem im Keller und im Bereich des ehemaligen Güterschuppens.

So blieb der alte Bahnhof zwar in ständigem Wandel, aber er blieb – und das ist für ein ehemaliges Betriebsgebäude der Bahn alles andere als selbstverständlich.


2009 – heute: Wiederbelebung durch die Familie Becker

2009 erwarb die Familie Becker den Alten Bahnhof Frömern. In den folgenden Jahren wurde das Gebäude mit viel persönlichem Einsatz und großer Liebe zum Detail in Eigenleistung saniert. Der Vorplatz erhielt wieder historisches Kopfsteinpflaster, das Haupthaus wurde instand gesetzt und als Wohn- und Bürohaus nutzbar gemacht.

2010 – Werkstatt für Goldschmiedekunst im ehemaligen Güterschuppen

Im ehemaligen Güterschuppen und später auch im Stellwerk entstand nach umfassender Sanierung die Werkstatt für Goldschmiedekunst Atelier Juvenile. Am 10. Oktober 2010 wurde sie feierlich eröffnet – ein Ereignis, zu dem rund 1000 Gäste an den alten Bahnhof kamen. Das Atelier entwickelte sich seitdem zu einer überregional bekannten Adresse für besondere Schmuckstücke, Trauringe, Unikatanfertigungen und Goldschmiedekurse.

Die Werkstatt verbindet heute historische Architektur mit lebendigem Handwerk: In Räumen, in denen einst Waren gelagert und Weichen gestellt wurden, entstehen nun Ringe, Colliers und Objekte, die in aller Ruhe von Hand gefertigt werden.


2014 – Das Stellwerk und die Entstehung der Museumswerkstatt

2014 wurde das historische Stellwerk vollständig restauriert. Aus dem ehemaligen Betriebsraum, in dem früher die Signale gestellt wurden, wurde ein atmosphärischer Geschäfts- und Arbeitsraum.

Heute befindet sich hier die Museumswerkstatt des Atelier Juvenile – das neue Herzstück des gesamten Atelier-Ensembles.

  • Eine beeindruckende Sammlung historischer Goldschmiedewerkzeuge wird gezeigt,

  • viele dieser Werkzeuge sind aber nicht nur Ausstellungsexponate, sondern werden noch aktiv im täglichen Betrieb eingesetzt,

  • in den Goldschmiede- und Trauringkursen haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen und die traditionelle Handwerkskunst unmittelbar zu erleben.

So wird das Stellwerk zu einem Ort, an dem historische Technik, echte Handwerkskunst und persönliches Erleben aufeinandertreffen.


2017 – Der Gewölbekeller als Ausstellungsraum

2017 wurde der alte Gewölbekeller behutsam saniert. Dabei legte die Familie Becker die historischen Backsteinwände, Natursteinmauern und Rundbögen wieder frei. Viele ursprüngliche Elemente konnten so sichtbar gemacht werden, sodass der Raum heute wieder sehr nah an seinem historischen Erscheinungsbild liegt.

Seit September 2017 dient der Gewölbekeller als zusätzliche Ausstellungsfläche des Atelier Juvenile. In seinem besonderen Ambiente werden Schmuckstücke, künstlerische Arbeiten und wechselnde Präsentationen gezeigt – ein stimmungsvoller Kontrast zu den Werkstatt- und Verkaufsräumen im Erdgeschoss.


Ein lebendiger Ort mit Geschichte

Der Alte Bahnhof Frömern ist damit heute weit mehr als ein ehemaliges Bahnhofsgebäude: Er erzählt die Geschichte von Industrialisierung und Regionalverkehr, vom beinahe vollständigen Verfall – und von der Rettung durch engagierte Privatleute, die in dem Haus nicht nur ein Denkmal, sondern eine Chance für Neues gesehen haben.

Mit Haupthaus, Güterschuppen, Stellwerk, Gewölbekeller und der Werkstatt für Goldschmiedekunst Atelier Juvenile ist ein Ensemble entstanden, in dem Geschichte sichtbar bleibt und zugleich tagtäglich Neues entsteht.


Wir freuen uns auf Ihren Besuch am alten Bahnhof in Frömern!

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